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Interkulturelle Kompetenz in der Mediation

Konfliktmanagementkongress 2016 – Die Waage Hannover präsentiert das Projekt Interkulturelle Kompetenz in der Mediation

Von Sabine Dörfel

Teammitglieder der Waage auf dem KMK 2016

„Was können Mediatoren in die derzeitige Situation der sogenannten Flüchtlingskrise einbringen?“, lautete eine der zentralen Fragen, mit denen sich der Konfliktmanagement-Kongress am 16./17. September in Hannover beschäftigte.

Justizministerin Niewisch-Lennartz und der Vors. der Waage Hannover Prof. Trenczek

Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz betonte bei der Begrüßung, dass es von herausragender Bedeutung für den Zusammenhalt der Gesellschaft sei, die Herausforderungen durch Migration und Integration zu meistern. „Mediative Kompetenzen können bei der Bewältigung der Konflikte helfen, aber auch bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen für eine gelingende Integration“, sagte Antje Niewisch-Lennartz, die selbst ausgebildete Mediatorin ist. Sie verwies dabei auf eine vorbildhafte Initiative des hannoverschen Vereins Waage, der in dem Projekt „Interkulturelle Kompetenz“ Menschen mit Migrationshintergrund zu Mediatoren ausbildet und beschäftigt. Ziel des Projektes sei, Konfliktparteien mit Migrationshintergrund ein Mediationsangebot in ihrer Muttersprache zu machen, sagte Projektleiterin Dorothee Wahner, die bei dem Kongress über das Projekt informierte. In dem 2011 initiierten, von der Klosterkammer Hannover geförderten Stipendiaten-Projekt sind zurzeit acht teilweise noch in Ausbildung befindliche Mediatoren tätig, die einen arabischen, lettischen, persischen, polnischen, serbo-kroatischen, tamilischen oder türkischen Migrationshintergrund haben. Sie arbeiten ehrenamtlich als Co-Mediatoren, übersetzen bei Mediations-Gesprächen, unterstützen die Waage bei der Netzwerk-Arbeit oder repräsentieren den Verein als Multiplikatoren in kommunalen Gremien.

Waage Hannover Team Interkulturelle Kompetenz auf dem KMK 2016

Waage Hannover Team Interkulturelle Kompetenz auf dem KMK 2016 (v.li.: Nuray Albayrak-Karaköse, Nadia Kurtul, Rajiny Kumaraiah, Dorothee Wahner, Kasia Blin-Silogava; es fehlen: Liljana Bünger, Walid Kherfani, Iveta Thamm, Neda Paydar)

„Konflikte sind emotionale Angelegenheiten, häufig auch ‚Herzens-angelegenheiten‘“, erläuterte Wahner. „Deshalb ist es von großem Vorteil, wenn die Medianten darüber in ihrer Muttersprache reden können.“ Auch Machtverhältnisse könnten bei einer Mediation mit muttersprachlichen Mediatoren ausgeglichen werden. „Migranten sind in unserer Gesellschaft in der Minderheit. Es fördert den Mediationsprozess, wenn sie sich bei einer Konfliktschlichtung nichtausschließlich Vertretern der Mehrheitsgesellschaft gegenübersehen“, fügte Wahner hinzu.

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Deutschen Engagementpreises 2016 – Stimmen Sie mit ab für die Waage!

Projekt „Interkulturelle Kompetenz“ der Waage Hannover

Wir sind im Rennen um den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises 2016!
Bis zum 31. Oktober können Sie für uns abstimmen. Mit Ihrer Unterstützung haben wir die Chance auf den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis und auf einen Platz in einem kostenfreien Weiterbildungsseminar in Berlin. Unterstützen Sie unsere Arbeit und unser Projekt, indem Sie sich 2 Minuten Zeit nehmen.

Zur Abstimmung geht’s hier → Projekt „Interkulturelle Kompetenz“ der Waage Hannover

Bitte denken Sie daran, anschließend den Ihnen zugesandten EMail-Link zu bestätigen damit Ihre Stimme zählt.

Vielen Dank!

 

Ausbildungsverordnung für zertifizierte Mediatoren erlassen

Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz hat hat auf Grundlage von § 6 MediationsG am 21.08.2016 die Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungsverordnung – ZMediatAusbV) erlassen (veröffentlicht am 31.08.2016 im Bundesgesetzblatt, Teil  I, Nr. 42). Sie regelt insb. die (quantitativen und qualitativen) Mindeststandards der Aus- und Fortbildung von (zertifizierten) Mediatoren. Als zertifizierter Mediator darf sich nur bezeichnen, wer eine entsprechende Ausbildung absolviert hat. Die ZMediatAusbV tritt allerdings erst am 1.September 2017 in Kraft und erst ab dann darf die Bezeichung „Zertifizierte/r Mediator*in“ verwendet werden – vorausgesetzt, die Bedingungen werden tatsächlich auch erfüllt.

Zu der Kommentierung der Regelungen im Einzelnen → weiter

Mediation in der Kirche und im kirchlichen Arbeitsfeld – Infoabend am 22.09.2016

Mediation in der Kirche und im kirchlichen Arbeitsfeld
Informationsabend am Donnerstag, 22. September 2016, von 19 – 21 Uhr in unseren Räumlichkeiten zentral in Hannover in der Friesenstraße 14.

Konflikte in der Kirche, in der Gemeindearbeit und im kirchlichen Arbeitsfeld? Was kann man tun? Wie kann man Konflikte erkennen und welche Möglichkeiten der Klärung gibt es? Wann ist der Versuch einer Klärung mithilfe einer Mediation sinnvoll und wie funktioniert das eigentlich?

Dieser Informationsabend wird gestaltet von Iveta Thamm, Pastorin der hannoverschen Landeskirche und ehrenamtliche Mediatorin bei der Waage Hannover.

Die Einladung richtet sich vorrangig  an die Mitglieder der Kirchenvorstände im Stadtkirchenverband Hannover. Für Rückfragen rufen Sie uns bitte einfach an: 0511 – 700 521 40 oder schreiben Sie uns eine E-Mail: info@waage-hannover.de

 

Waage Hannover für den Deutschen Engagementpreis 2016 nominiert

Projekt „Interkulturelle Kompetenz in der Mediation“ – Auszeichnung für freiwilliges Engagement
Das Projekt „Interkulturelle Kompetenz“ der Waage Hannover ist für den Deutschen Engagementpreis 2016 DeutscherEngagementPreisnominiert. Das Projekt geht als Preisträgerin des niedersächsischen Ehrenamtspreises „Unbezahlbar und freiwillig“ 2015 ins Rennen um den Preis der Preise für freiwilliges Engagement. Das ehrenamtliche Engagement der Waage Hannover e.V. erfährt durch diese Nominierung eine besondere Anerkennung.

Chance auf bis zu 10.000 Euro Preisgeld
Die Waage Hannover e.V. hat nun die Chance bei der feierlichen Preisverleihung des Deutschen Engagementpreises am 5. Dezember 2016 in Berlin ein weiteres Mal geehrt zu werden. Auf die Gewinnerinnen und Gewinner der fünf Kategorien Chancen schaffen, Leben bewahren, Generationen verbinden, Grenzen überwinden und Demokratie stärken warten Preisgelder in Höhe von je 5.000 Euro. Eine Experten-Jury bestimmt die Preisträgerinnen und Preisträger dieser Kategorien. Alle anderen Einreichungen stehen ab dem 19. September für sechs Wochen zur öffentlichen Online-Abstimmung über den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis.

Der Deutsche Engagementpreis
Der Deutsche Engagementpreis würdigt das bürgerschaftliche Engagement der Menschen in Deutschland und all jene, die das Engagement durch die Verleihung von Preisen sichtbar machen. Am 5. Dezember 2016, dem internationalen Tag des Ehrenamts, wird die Auszeichnung im Rahmen einer Festveranstaltung und in Anwesenheit von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig in Berlin verliehen. Initiator des seit 2009 vergebenen Engagementpreises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss der großen Dachverbände und unabhängigen Organisationen des gemeinnützigen Sektors sowie von Expertinnen und Experten und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Förderer sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Generali Zukunftsfonds und die Deutsche Fernsehlotterie.

Aktuell (18.09.2016): Wir sind im Rennen um den Publikumspreis des Deutschen Engagementpreises 2016! Bis zum 31. Oktober können Sie für uns abstimmen. Mit Ihrer Unterstützung haben wir die Chance auf den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis und auf einen Platz in einem kostenfreien Weiterbildungsseminar in Berlin. Unterstützen Sie unsere Arbeit und unser Projekt, indem Sie sich 2 Minuten Zeit nehmen.  Vielen Dank!

Zur Abstimmung geht’s hier → Projekt „Interkulturelle Kompetenz“ der Waage Hannover

Kontakt
Waage Hannover e.V.
Dorothee Wahner
Friesenstraße 14
30161 Hannover
Tel: 0511 700 521 43
dorothee.wahner@waage-hannover.de

Weitere Informationen zum Deutschen Engagementpreis:
www.deutscher-engagementpreis.de

Mediation und Restorative Justice – Fachliche Standards – Neue Veröffentlichungen

Die Diskussion über die fachlichen Standards der Konflitvermittlung/Mediation insb. in auch strafrechtlich relevanten Konflikten (→ Restorative Justice; → Täter-Opfer-Ausgleich) ist seit einiger Zeit im Gange. Mitunter versuchen sich Teile der Praxis diesen Standards zu entziehen, z.T. mit dem Argument, das Mediationsgesetz sei in diesem Arbeitsfeld überhaupt nicht anwendbar. Eine solche rechtswidrige Praxis unterläuft nicht nur die verbraucherschützenden Verfahrensstandards des Mediationsgesetzes, sondern widerspricht auch den verbindlichen Regelungen der EU-Opferschutzrichtlinie.  Hierzu sind unlängst zwei Beiträge veröffentlicht worden:

  • Hartmann, A./Trenczek, T.: Vermittlung in strafrechtlich relevanten Konflikten – Fachliche Standards unter Berücksichtigung des Mediationsgesetzes und der EU-Opferschutzrichtlinie; Neue Justiz 8/2016, S. 325 – 333.
  • Trenczek, T.: Mediation und Täter-Opfer-Ausgleich. Wesensmerkmale und fachliche Standards; Zeitschrift für Konfliktmanagement 1/2016, 4 – 8.

Restorative Justice, Täter-Opfer-Ausgleich und Mediation – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Der Begriff Restorative Justice (RJ) wird auf unterschiedlichen Ebenen mit unterschiedlichen Inhalten verwendet. Zunächst bezieht er sich auf ein die traditionelle Vergeltungslogik (retributive justice) und Strafphilosophien überwindendes Gerechtigkeitskonzept (ausführlich hierzu Trenczek  2014). Danach soll das aus der Begehung von Unrecht erfahrene Leid soweit wie möglich ausgeglichen und die als gerecht akzeptierte Ordnung in einer sozialen Gemeinschaft (wieder) hergestellt (to restore justice) werden. Innerhalb dieses auf Ausgleich und Wiedergutmachung gerichteten Ansatzes findet sich eine Vielfalt von Theorie- und Praxismodellen unterschiedlicher Reichweite. Wichtig anzumerken ist, dass der RJ-Ansatz nicht auf strafrechtlich relevantes Verhalten begrenzt ist, sondern alle mit Unrecht und persönlichem Leid verbundene Störungen von Beziehungen bzw. des Gemeinwesens umfasst. International werden RJ-Verfahren nicht nur im strafrechtlichen, sondern vor allem auch bei Konflikten am Arbeitsplatz, im Schulbereich und öffentlichen Einrichtungen angewandt.

In der deutschen Sprache hat sich – nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Theorie- und Praxisansätze – ein Begriff, der Inhalt und Konzeption von RJ entsprechen würde (z.B. „ausgleichende bzw. wiederherstellende Gerechtigkeit“, „ausgleichsorientierte Justiz“), bislang nicht durchgesetzt. Der außergerichtliche Tat- bzw. sog. Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) bezieht sich lediglich auf einen Teilausschnitt der RJ-Idee. Abzugrenzen ist der TOA auch von der Vermittlung (Mediation) in strafrechtlich relevanten Konflikten. Mit Blick auf das (deutsche) Mediationsgesetz kann mit TOA nur noch die strafrechtliche Entscheidung (Rechtsfolge bzw. ein Kriterium der Strafzumessung) bezeichnet werden, während Mediation das Verfahren und methodische Vorgehen der Konfliktbearbeitung beschreibt.

Die Mediation in strafrechtlichen Konflikten berührt damit zwei voneinander unabhängige Regelungsbereiche. In den strafrechtlichen Normen geht es um die strafrechtliche Bewertung bzw Anerkennung eines (nicht zwingend über eine Mediation erzielten) Ausgleichs im Rahmen der Verfahrensentscheidung (StPO, JGG) bzw Strafzumessung (StGB, JGG); der Begriff Täter-Opfer-Ausgleich beschreibt also im Wesentlichen eine strafrechtliche Rechtsfolge (bzw. Kriterium der Strafzumessung). Das Mediationsgesetz befasst sich demgegenüber mit der verfahrensmäßigen Ausgestaltung der Mediation iSd § 1 MediationsG. TOA und Mediation in strafrechtlichen Konflikten sind deshalb nicht deckungsgleich. An keiner Stelle nimmt das MediationsG bestimmte Anwendungsfelder von den Regelungen aus, sondern verwendet vielmehr einen funktionalen Mediations- bzw Mediatorenbegriff. Selbstverständlich findet deshalb das MediationsG auf die Vermittlungsverfahren im Rahmen der sog. TOA-Programme Anwendung, wenn und soweit sie beanspruchen, Mediation zu betreiben.

Die Waage Hannover bereitet derzeit im Hinblick auf ein niedersächschisches Modellprojekt die Konzeption eines Restorative Justice Programms vor, der über den klassischen Täter-Opfer-Ausgleich hinuasgeht und zum einen die Erprobung der Konfliktvermittlung in schweren strafrechtlich relevanten Konflikten insb. auch in Kooepration mit Nds. Vollzugsanstalten (sog. TOA im Vollzug) sowie zum anderen über die stärkere Einbindung des sozialen Umfeldes der Konfliktbeteiligten und Verankerung des Konfliktregelung im sozialen Nahraum den wesentlichen Aspekten der Restorative Justice – Philosophie stärker Geltung zu verschaffen. Projektstart wird voraussichtlich noch im Jahr 2016 sein.

Quellen und weitere Informationen:  SIMK v. 27.06.2016
Trenczek, T.:  Restorative Justice, TOA und Mediation – Grundlagen, Praxisprobleme und Perspektiven; in: Baier, D. et al. (Hrsg.): Kriminologie ist Gesellschaftswissenschaft; Festschrift für Christian Pfeiffer; Baden-Baden Febr. 2014, 605 ff.
ders.:  Restorative Justice in der Praxis. Täter-Opfer-Ausgleich und Mediation in Deutschland; in DBH (Hrsg.) Restorative Justice – Der Versuch, das Unübersetzbare in Worte zu fassen; Köln 2014, S. 92 ff.