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Jenseits des Tellerrands – Die Waage auf dem Konfliktmanagement-Kongress Hannover 2019

Der diesjährige Kongress mit knapp 300 Teilnehmern, der am 6. und 7. September stattgefunden hat, stand unter dem Motto „Jenseits des Tellerrands“.

Die Arbeit in 7 Foren beschäftigte sich mit Unterschieden, Schnittstellen und Kombinationen von Mediation, Schlichtung, Coaching und Psychotherapie. Darüber hinaus konnte man einzelne Methoden, z.B. Digital Storytelling (DS) oder Theater und Mediation kennenlernen.

Auch in diesem Jahr waren wieder Mitglieder der Waage unter den Teilnehmenden des Kongresses vertreten, die den Kongress als gute Gelegenheit empfanden, das eigene Wissen zu bereichern und mit alten und neuen Kontakten ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren.

Der Info Stand der Waage bot dafür einen passenden Rahmen (auf dem Foto von links: Antoine Brossier; Prof. Dr. Thomas Trenczek, Pia Liebermann, Roland Kooppmann, Doro Wahner)

Vors. Richter am LG und stv. Vorsitzender der Waage, Wolfgang Rosenbusch, geht in den Ruhestand

Der stellvertretende Vorsitzender der Waage Hannover, Wolfgang Rosenbusch, seit mehr als zehn Jahren als Vorsitzender des Schwurgerichts Hannover tätig, geht in den Ruhestand. Aufsehenerregende Prozesse leitete er viele – und stand oft unter großem Druck der Öffentlichkeit. Der 65-Jährige spricht in einem Interview mit der HAZ vom 21.06.2019  über respektlose Angeklagte, die Gefährdung von Richtern, Fehlurteile und Mord als männertypisches Delikt und seine Pläne im „Ruhestand“. (Hier dokumentieren wir Auszüge, das geseamte Interview finden Sie in der HAZ vom 21.06.2019).

Herr Rosenbusch, welches waren die spektakulärsten Fälle während Ihrer gut zehn Jahre währenden Zeit als Vorsitzender des SchwurgerichtsHannover?

Der Prozess gegen die Krebsärztin Mechthild Bach zählt dazu, das Verfahren gegen den sogenannten Maschseemörder war aufsehenerregend, ebenso wie der Prozess gegen den Mann, der eine Frau an seinem Auto durch Hameln schleifte, der Fall des in einem Koffer deponierten Babys oder das Säureattentat auf Vanessa Münstermann. Aber unter meinen rund 250 Schwurgerichtsprozessen seit 2009 finden sich auch noch etliche andere überaus tragische Fälle.

Welcher Prozess hat Sie am meisten mitgenommen?

Es gab immer wieder Verfahren, die man wohl oder übel mit nach Hause nahm und die einen beim Einschlafen und beim Aufwachen beschäftigten. Besonders entsetzlich war 2014 der Fall des Björn F. aus Langreder, der seine Freundin über mehrere Stunden zu Tode folterte und prügelte und diese Gewaltorgie auch noch filmte und fotografierte.

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Mediationslehrgang-Grundkurs XII (2018/19) erfolgreich abgeschlossen

Am 14./15.Juni 2019 haben 16 Teilnehmende den Grundkurs Mediation von Waage Hannover/SIMK Hannover unter der Begleitung von Frauke Petzold (eine von 3 Ausbildern; auf dem Foto fehlen Prof.Dr. Thomas Trenczek und Dr. Lutz Netzig) und der Co-Trainerin Roberta Cifariello abgeschlossen. Nahezu alle Teilnehmenden werden ab September den Aufbaukurs fortsetzen.

Qualitätsverbund Mediation – Fachverbände einigen sich über QVM-Fachstandards Mediation

Die Bundesfachverbände der Mediation, BAFM, BM und BMWA sowie die Deutsche Gesellschaft für Mediation (DGM) und das Deutschen Forum für Mediation (DFfM) haben sich vor einige Monaten in einem Qualitäts-Verbund Mediation (QVM) zusammengeschlossen („BBBDD-Verbände“), um in einer verbandsübergreifenden Zusammenarbeit zur Qualitätssicherung in der Mediation ein gemeinsames, verbandsübergreifendes und damit auch marktbestimmendes Qualitätssiegel QVM zu entwickeln, das den von den Fachverbänden in den letzten 15-20 Jahren formulierten Anforderungen an eine professionelle, d.h. qualitativ hochwertige Mediationspraxis entspricht (vgl. SIMK-News vom 4.11.2018).

Am 05.05.2019 wurde von allen fünf Verbänden die 1.Frankfurter-Erklärung unterzeichnet, mit der die 5 Verbände auch die Einrichtung einer gemeinsamen Institution zur Umsetzung und Gewährleistung der QVM-Standards vereinbaren.

Heute, genau rechtzeitig zum „Tag der Mediation“ informierten die 5 Verbände (BAFM, BM, BMWA, DfFM, DGM) Ihre Mitglieder sowie das Bundesjustizministerium mit einem gemeinsamen Schreiben über den verabschiedeten „QVM-Standard“. Sie haben dabei das Beste aus allen bisher bestehenden Verbands-Standards zu einer gemeinsamen neuen Qualität gefasst. In diesem Konvolut stecken jede Menge Arbeit und das geballte mediative Know-How.

Der QVM-Standard hat einen hohen Qualitätsanspruch. Näheres über die inhaltlichen Aspekte der QVM-Standards finden Sie in dem nebenstehenden Dokument QVM-Standards 2019.

 

 

 

 

 

 

Quelle: Anschreiben des BMWA sowie der anderen Fachverbände
an ihre Mitglieder v. 18.06.2019; SIMK-News v. 18.6.2019

Mediation und Fußball

Dr. Lutz Netzig beim 6. Forum SportBewegung Niedersachsen am 18. Mai 2019

Zum Thema „Schiedsrichter – zwischen Respekt und Anfeindung“ lud die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung Experten, Funktionäre und Praktiker zu einer interdisziplinären Tagung ein. Die Waage war mit einem Workshop vertreten. Lutz Netzig stellte gemeinsam mit Jens Grützmacher, dem Vorsitzenden des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) Kreis Region Hannover, die Erfahrungen der Waage bei der Aufarbeitung und Mediation von gewalttätig eskalierten Konflikten im Bereich (Amateur-) Fußball und die diesbezügliche Zusammenarbeit von Waage und NFV vor.

Die Anzahl von Gewaltvorfällen im Rahmen von Fußballspielen ist beunruhigend. In der Stadt und Region Hannover ist das Thema besonders brisant. Strafen und Sperren lösen die Konflikte nicht. Oftmals begegnen sich die Kontrahenten wieder. Zudem sind meist weitere Personen betroffen. Über die Eskalationen wird in den lokalen Medien berichtet, Folgekonflikte drohen. Das Projekt der Waage erprobt alternative Wege der Konfliktbewältigung und Gewaltprävention.

Die Diskussionen und der Erfahrungsaustausch mit Schiedsrichtern, Vereinsvorständen und Sportrichtern waren äußert fruchtbar. Zudem bot die Tagung Anregungen von Experten aus anderen Sportarten wie Rugby und Frisbee-Sport. Eine gelungene Veranstaltung.

Schuld sind immer die Anderen – Filmabend im Kino im Künstlerhaus 27.2.2019

Schuld sind immer die Anderen (Lars-Gunnar Lotz, D 2013, 93‘ • mit Edin Hasanovic, Julia Brendler)
Ein Filmabend im Künstlerhaus am 27.2.2019/19:30 Uhr mit Einführung und Filmgespräch mit Frauke Petzold und Doro Wahner

Im „Waldhaus“, einer idyllisch gelegenen Einrichtung des offenen Vollzugs, bekommt Ben gemeinsam mit einer Handvoll anderer jugendlicher Straftäter die einmalige Chance auf Resozialisierung jenseits karger Gefängnismauern. Raubüberfall, Diebstahl, Körperverletzung – diese Vergangenheit beginnt Ben mit jedem weiteren Tag in der familiären Gemeinschaft des Waldhauses zu hinterfragen, gar aufzuarbeiten. Er fasst Vertrauen zu den anderen Jungs, entwickelt Sympathien für die Betreuer, die von nun an seinen Alltag begleiten. Doch dann geschieht etwas völlig Unerwartetes. Mit der Ankunft seiner Heimleiterin Eva holt ihn sein altes Leben schlagartig wieder ein. Was Eva anfänglich nicht ahnt, weiß Ben bereits beim ersten Blickkontakt: Sie ist eines seiner Opfer. Eine ausweglose Situation. Für beide. Es ist dieser Ausnahmesituation, den Lars-Gunnar Lotz Debütfilm behandelt. Er beleuchtet dabei die intensiven Empfindungen von Opfern und Tätern gleichermaßen und realitätsgetreu. Edin Hasamovic als junger Mann, der in seinem jungen Leben schon so viele Fehler begangen hat, gelingt es, im Zuschauer Empathie und Mitgefühl zu wecken, und Julia Brendler als Eva verkörpert eine starke Frau, die so viel mehr ist als das Opfer einer grausamen Straftat. Ein authentischer und klug durchdachter Film und ein absoluter Glücksfall im deutschen Nachwuchsfilm. (FBW)

 

Nach der Begrüßung durch Herrn Knobloch-Ziegan, dem Leiter des Kinos und einer Einführung durch die Waage-Mitarbeiterinnen Frauke Petzold und Doro Wahner verfolgte das Publikum im gut gefüllten Kinosaal hochkonzentriert und voller Anspannung den Film „Schuld sind immer die Anderen“. Auf eindringliche Weise wird hier gezeigt, was es bedeutet, Beteiligter an einer Straftat zu sein. Wie verändert sich das Leben für das Opfer, für den Täter und für das Umfeld? Im Anschluss an den Film diskutierten die beiden Mediatorinnen mit einem sehr interessierten Publikum: Was braucht es, um so ein Geschehen verarbeiten zu können? Welche Möglichkeiten bietet hier die Vermittlung und ein Täter-Opfer-Ausgleich? Wie „funktioniert“ das eigentlich und welche Erfahrungen macht die Waage damit? Mit vielen Eindrücken und Informationen zu einem durchaus schwierigen Thema gingen die Besucher nach gut zwei Stunden nachhause.

Die Waage Hannover hat sich über das große Interesse gefreut und plant weitere Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino.  Die Waage Hannover ist das gemeinnützige, nicht kommerzielle Zentrum für Mediation und Konfliktschlichtung in Stadt und Region Hannover und und führt u.a. im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hannover die Vermittlung für einen „Täter-Opfer-Ausgleich“ durch.