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Mediation und Fußball

Dr. Lutz Netzig beim 6. Forum SportBewegung Niedersachsen am 18. Mai 2019

Zum Thema „Schiedsrichter – zwischen Respekt und Anfeindung“ lud die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung Experten, Funktionäre und Praktiker zu einer interdisziplinären Tagung ein. Die Waage war mit einem Workshop vertreten. Lutz Netzig stellte gemeinsam mit Jens Grützmacher, dem Vorsitzenden des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) Kreis Region Hannover, die Erfahrungen der Waage bei der Aufarbeitung und Mediation von gewalttätig eskalierten Konflikten im Bereich (Amateur-) Fußball und die diesbezügliche Zusammenarbeit von Waage und NFV vor.

Die Anzahl von Gewaltvorfällen im Rahmen von Fußballspielen ist beunruhigend. In der Stadt und Region Hannover ist das Thema besonders brisant. Strafen und Sperren lösen die Konflikte nicht. Oftmals begegnen sich die Kontrahenten wieder. Zudem sind meist weitere Personen betroffen. Über die Eskalationen wird in den lokalen Medien berichtet, Folgekonflikte drohen. Das Projekt der Waage erprobt alternative Wege der Konfliktbewältigung und Gewaltprävention.

Die Diskussionen und der Erfahrungsaustausch mit Schiedsrichtern, Vereinsvorständen und Sportrichtern waren äußert fruchtbar. Zudem bot die Tagung Anregungen von Experten aus anderen Sportarten wie Rugby und Frisbee-Sport. Eine gelungene Veranstaltung.

Neue Veröffentlichungen zum Thema Mediation und Restorative Justice

In den letzten Wochen sind einige neue Veröffentlichungen von Teammitgliedern der Waage Hannover e.V. zum Thema Mediation und Restorative Justice erschienen:

Schuld sind immer die Anderen – Filmabend im Kino im Künstlerhaus 27.2.2019

Schuld sind immer die Anderen (Lars-Gunnar Lotz, D 2013, 93‘ • mit Edin Hasanovic, Julia Brendler)
Ein Filmabend im Künstlerhaus am 27.2.2019/19:30 Uhr mit Einführung und Filmgespräch mit Frauke Petzold und Doro Wahner

Im „Waldhaus“, einer idyllisch gelegenen Einrichtung des offenen Vollzugs, bekommt Ben gemeinsam mit einer Handvoll anderer jugendlicher Straftäter die einmalige Chance auf Resozialisierung jenseits karger Gefängnismauern. Raubüberfall, Diebstahl, Körperverletzung – diese Vergangenheit beginnt Ben mit jedem weiteren Tag in der familiären Gemeinschaft des Waldhauses zu hinterfragen, gar aufzuarbeiten. Er fasst Vertrauen zu den anderen Jungs, entwickelt Sympathien für die Betreuer, die von nun an seinen Alltag begleiten. Doch dann geschieht etwas völlig Unerwartetes. Mit der Ankunft seiner Heimleiterin Eva holt ihn sein altes Leben schlagartig wieder ein. Was Eva anfänglich nicht ahnt, weiß Ben bereits beim ersten Blickkontakt: Sie ist eines seiner Opfer. Eine ausweglose Situation. Für beide. Es ist dieser Ausnahmesituation, den Lars-Gunnar Lotz Debütfilm behandelt. Er beleuchtet dabei die intensiven Empfindungen von Opfern und Tätern gleichermaßen und realitätsgetreu. Edin Hasamovic als junger Mann, der in seinem jungen Leben schon so viele Fehler begangen hat, gelingt es, im Zuschauer Empathie und Mitgefühl zu wecken, und Julia Brendler als Eva verkörpert eine starke Frau, die so viel mehr ist als das Opfer einer grausamen Straftat. Ein authentischer und klug durchdachter Film und ein absoluter Glücksfall im deutschen Nachwuchsfilm. (FBW)

 

Nach der Begrüßung durch Herrn Knobloch-Ziegan, dem Leiter des Kinos und einer Einführung durch die Waage-Mitarbeiterinnen Frauke Petzold und Doro Wahner verfolgte das Publikum im gut gefüllten Kinosaal hochkonzentriert und voller Anspannung den Film „Schuld sind immer die Anderen“. Auf eindringliche Weise wird hier gezeigt, was es bedeutet, Beteiligter an einer Straftat zu sein. Wie verändert sich das Leben für das Opfer, für den Täter und für das Umfeld? Im Anschluss an den Film diskutierten die beiden Mediatorinnen mit einem sehr interessierten Publikum: Was braucht es, um so ein Geschehen verarbeiten zu können? Welche Möglichkeiten bietet hier die Vermittlung und ein Täter-Opfer-Ausgleich? Wie „funktioniert“ das eigentlich und welche Erfahrungen macht die Waage damit? Mit vielen Eindrücken und Informationen zu einem durchaus schwierigen Thema gingen die Besucher nach gut zwei Stunden nachhause.

Die Waage Hannover hat sich über das große Interesse gefreut und plant weitere Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino.  Die Waage Hannover ist das gemeinnützige, nicht kommerzielle Zentrum für Mediation und Konfliktschlichtung in Stadt und Region Hannover und und führt u.a. im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hannover die Vermittlung für einen „Täter-Opfer-Ausgleich“ durch.

Mediationsausbildung 2017/18 mit HsH/SIMK-Hochschulzertifikat erfolgreich beendet

Im Rahmen der in Kooperation mit der Hochschule Hannover (ZSW) und dem Steinberg Institut (SIMK) durchgeführten berufsbegleitenden Mediationsausbildung können die Teilnehmer*innen bei Anfertigung einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit zusätzlich zur normalen Ausbildungsbescheinigung auch ein Hochschulzertifikat der Hochschule Hannover erwerben. Am Freitag, 14.12.2018, erhielten 6 Absolventinnen des Lehrgangs 2017/18 ihr Hochschulzertifikat. Die Ausbildung fand an insgesamt 15 Wochenenden (Freitagen und Samstagen) sowie in Hospitationen, Intervisionen und Supervisionen statt (insgesamt 220 Stunden). Die Themenvielfalt und Qualität der Abschlussarbeiten war wieder beeindruckend, z.B.

  • Mediation als Teil der hauptberuflichen kommunalen Gleichstellungsarbeit in Niedersachsen
  • Konfliktmanagementsystem – Anwendungsfall Deutsche Messe AG
  • Mediation in Schulen
  • Mediation im Kontext der Unternehmensnachfolge
  • Mediationsverfahren im Rahmen der ASD-Tätigkeit im Jugendamt (anwendbar?)
  • Konstruktivismus und Mediation

Der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung wurde mit Übergabe der Hochschul-Zertifikate bescheinigt. Das Foto zeigt (vordere Reihe von links:) Anne Britten, Gudrun Hahn, Wiebke Ernst-Ringena sowie (hintere Reihe von links:) Wolfgang König, Steve Michalczyk, Oilid Kherfani und Ausbildungsleiter Prof. Dr. iur. Thomas Trenczek.

Visualisierung in der Mediation – Interne Fortbildung / Waage Klausurtag 2018

Mit dem Thema „Visualisierung in der Mediation“ beschäftigen sich am 13.11. 2018 insgesamt 20 Mitarbeiter*innen der Waage Hannover im Rahmen des jährlichen Klausurtages. Dank der finanziellen Unterstützung von „Freiwillig in Hannover“, dem Förderfonds der Stadt Hannover für Ehrenamtliches Engagement, konnte in diesem Jahr eine externe Referentin gewonnen werden. Rechtsanwältin Nicole Busse gab einen Einblick, welches Handwerkszeug zu einer professionell gestalteten Flipchart gehört. Dabei ging es nicht nur um Schrift, Form, Symbole und Farbe, sondern auch um die kritische Auseinandersetzung, an welcher Stelle und in welcher Form Visualisierung in der Mediation zum Einsatz kommen kann. An erster Stelle stand jedoch das praktische Üben durch die Teilnehmer*innen. Hierbei konnte festgestellt werden, dass man kein besonderes Zeichentalent haben muss: Mit etwas Mut und Übung kann man auch zu guten Ergebnissen kommen. Es war ein sehr lehrreicher und kurzweiliger Klausurtag, der mit einem geselligen Beisammensein seinen Ausklang fand.

Waage auf dem TOA-Forum 2018

Eine Gruppe von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der Waage hat am TOA-Forum 2018 in Berlin teilgenommen. Die bundesweite Konferenz unter dem Motto „Die Stärke der Beteiligten – Selbstbestimmung statt Bedürftigkeit“ bot einen interessanten „Blick über den eigenen Tellerrand“ mit verschiedenen Vorträgen und Workshops und gab vielerlei Anregungen für die eigene Praxis. Schwerpunkte waren beispielsweise die persönliche Qualifikation von Mediator*innen, die Vermittlung bei schweren Straftaten und die Arbeit mit traumatisierten Geschädigten.