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Alumni-Treffen in der Waage 2018

Am 25. 09. 2018 fand das zweite Treffen ehemaliger Lehrgangsteilnehmer*innen der Mediationskurse in den Büros der Waage Hannover statt. Die Waage führt seit nunmehr 12 Jahren Mediationsausbildungen (Grund- und Aufbaukurse in Kooperation mit dem SIMK nach den fachlichen Stnadards des BM und BMWA) durch. Über 150 Personen haben bislang daran erfolgreich teilgenommen. Ca. 30 von ihnen kamen nun, teilweise mit weiter Anreise, zu einem Wiedersehen und Erfahrungsaustausch zusammen. Neben den Fragen, wie die Einzelnen die Lehrgänge im Nachhinein sehen und was für sie beruflich oder privat nutzbar wurde, diskutierten wir insbesondere die Differenzen zwischen Ausbildung und Praxis: Was ist uns besonders wichtig? Was hat sich verändert? Welche Aspekte gewannen erst im Laufe der Zeit an Bedeutung? Es wurde deutlich, dass die Antworten auf diese Fragen individuell recht unterschiedlich ausfallen. Einige betonten beispielsweise die Bedeutung eines sehr strukturierten Vorgehens, andere erklärten, dass ihnen dies bei ihrer praktischen Tätigkeit nicht mehr ganz so wichtig erscheint.

Der Abend endete mit einem geselligen Beisammensein. Eine gelungene Veranstaltung. Es ist geplant, derartige Treffen jährlich zu wiederholen.

Vielen Dank noch einmal für die nette Einladung zum Ehemaligen-Treffen in der Waage – es war wirklich sehr schön und für mich auch nach 3 Jahren noch einmal eine super Bestätigung, dass es genau richtig war, diesen Kurs bei Euch zu machen. Gerade betreue ich parallel gleich zwei Konfliktfälle hier bei mir an der Uni, und ich spüre immer wieder, wie sehr dieses Jahr meine Fähigkeit zu einem souveränen Umgang und zu effektiver Hilfestellung in solchen Situationen geschult hat.  Also, danke nochmal für Alles!!
                                  (Dr. Barbara Witter, Otto von Guericke University, Graduate Academy, Magdeburg)

Die Waage auf dem Konfliktmanagement-Kongress 2018

(von links) Waage-Geschaftsführer Brossier im Gespräch mit TeilnehmerInnen des KMK; (mittig) der 1. Vorsitzende der Waage, Prof. Trenczek, im Gespräch mit Frau Justizministerin Havliza; Foto: Dietmar Wadewitz)

Der diesjährige Konfliktmanagement-Kongress (KMK) am 14./15.09.2018 in Hannover stand unter dem Motto „Vielfalt und Entwicklung“ und bot den Teilnehmenden eine abwechslungsreiche Mischung aus Theorie und Praxis der Mediation. Bereits am Vorabendempfang im Gartensaal des Neuen Rathauses konnten die knapp 300 Teilnehmer*innen , von denen eine große Zahl zum wiederholten Mal an dem KMK teilnahmen, miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen und die neuen Entwicklungen in der deutschen Mediationslandschaft diskutieren. Begrüßt wurden sie von Frau Justizministerin Barbara Havliza. „Justiz tut gut daran, die Möglichkeiten der Mediation zu nutzen“ betonte die Ministerin, die u.a. auch auf die Initiativen und die Vorreiterrolle des Landes Niedersachsen in Sachen Mediation sowie das mittlerweile 15jährige Jubiläum des KMK hervorhob.

Angeregt wurden die TeilnehmerInnen, darunter Juristen, Psychologen, Soziologen und Mediatoren vieler weiterer Herkunftsberufe, am Freitag Abend auch durch einen kurzweiligen Vortrag von Dr. Dietmar Zinner, leitender Wissenschaftler in der Abteilung Kognitive Ethologie am Deutsches Primatenzentrum in Göttingen: „Konflikte bei unseren Vettern – Was wir vom Affenstreit lernen können“. Am Samstag Vormittag wurde zunächst in drei Impulsvorträgen aus juristischer, sozial- und kommunkationswissenschaftlicher Perspektive erörtert, inwiefern die Mediation bereits ein wesentlicher, unverzichtbarer Teil des deutschen Konfliktmangements bzw. der Justiz und der Privatrechtsordnung geworden ist und welche Erkenntnisse die interdisiplinäre Mediationsforschung mittlerweile bietet. Vertieft wurden diese Diskussionen dann in 7 Foren und auf der Informationsmesse, auf der sich Anbieter und Mediationsverbände präsentierten.

(von links): Rajiny Kumaraiah, Petra Kniesburges; Mediatorinnen der Waage Hannover; Foto: Waage Hannover)

Die Waage Hannover war wie schon seit dem ersten KMK mit einem Informationsstand vertreten, der durch unsere ehrenamtlichen Mediatorinnen Petra Kniesburges und Rajiny Kumaraiah hervorragend betreut war. Gerade im Hinblick auf das Thema „Vielfalt und Entwicklung“ hat die Waage in ihren verschiedenen Arbeitsbereichen sowie im Rahmen des Projekts „Interkulturelle Kompetenz in der Mediation“ viel anzubieten. Es gab Gelegenheit, Informationen auszutauschen, Fragen zu stellen und mit zahlreichen Kongressteilnehmer*innen ins Gespräch zu kommen. Besonders erfreulich war, dass in diesem Jahr insgesamt sieben Mitglieder des Waage Teams am Kongress teilgenommen haben. So können die gewonnen Eindrücke und Erkenntnisse aus den Foren, Workshops und Diskussionen gemeinsam besprochen werden und innerhalb der Waage ihren Nachklang finden.

Restorative Justice und Opferorientierung in Haftanstalten

Am 12.6.2018 hat die Waage die Schulung von Fachkräften der Justizvollzugsanstalten Hannover und Sehnde erfolgreich abgeschlossen.

Stimmen einzelner Teilnehmer*innen: „Ich fand die Fortbildung total gut!“; „Habe überlegt, was ich zu meckern habe… und ich finde nichts. Bin traurig, dass es vorbei ist und das kann ich selten von Fortbildungen behaupten.“ „… das erweitert den Horizont ungemein.“ „Wir können jetzt mit gutem Gefühl und ohne Druck in die Praxis gehen.“

Das Projekt dient u.a. – ausgehend von der Europäischen Opferschutz-Richtlinie und der Novellierung des niedersächsischen Strafvollzugsgesetzes – dem Aufbau einer engeren Zusammenarbeit von Haftanstalten, Opferhilfe und TOA-Mediation-Stellen (hier: der Waage Hannover). Die Mitarbeiter*innen sollten sensibilisiert werden für eine opferorientierte Perspektive und Möglichkeiten der Wiedergutmachung. Es ging um die Erarbeitung der Rahmenbedingungen für eine Vermittlung zwischen Geschädigten und inhaftierten Tätern sowie um die Einbeziehung des sozialen Umfeldes der Betroffenen.

Die Fortbildung umfasste 4 Module:

  1. Tat, Täter und Verantwortung (u.a. Neutralisierung, Wiedergutmachung, Empathie)
  2. Opfer und Tatverarbeitung (u.a. Bedürfnisse, Interessen, Traumatisierungen)
  3. Begleitete Kontakte zwischen Tätern und Opfern (u.a. Kontaktaufnahme, erweiterter TOA)
  4. Evaluation und Bilanz (praktische Umsetzung, nachhaltige Etablierung)

Die Schulungen wurden sehr gut angenommen und führten zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik. In den Haftanstalten wurden Ansprechpartner*innen für Opferbelange eingesetzt und Arbeitsgruppen zur Entwicklung geeigneter Angebote gebildet. Seit Beginn der Schulungen wurden von der Waage bereits mehrere konkrete Fälle bearbeitet, sodass die gemeinsam geplanten Abläufe und Sicherungen praktisch erprobt werden konnten. Die Ergebnisse sind ermutigend.

Am letzten Modul der Schulung nahmen erfreulicherweise auch Frau Pucks und Herr Griepenburg vom Niedersächsischen Ministerium der Justiz teil. Dies zeigt die Wertschätzung für das Projekt und die Arbeit der Waage.

Lesung mit ULRICH BEHMANN: „NOVEMBERWUT“

Der Kriminalfall Kader K. hat im November 2016 international für Abscheu und Entsetzen gesorgt. Eine junge Frau mit kurdischen Wurzeln wird von ihrem Ex-Mann mit einem Messer und einer Axt schwer verletzt. Er bindet sie mit einem Seil um den Hals an sein Auto, in dem der gemeinsame kleine Sohn sitzt und versucht, sie zu Tode zu schleifen. Dieses Verbrechen sorgte international für Entsetzen.

Für den 11. Juni hatte die Waage Hannover e.V. zu einer Lesung in ihren Räumlichkeiten mit anschließender Diskussion geladen. Der Hamelner Journalist und Autor Ulrich Behmann las aus seinem Buch „Novemberwut“ und berichtete über den fürchterlichen Kriminalfall und die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte des Buches. Es war der Wunsch von Kader K. über ihre Geschichte ein Buch zu schreiben. „Novemberwut“ erschien im November 2017 bei CW Niemeyer Buchverlag und traf auf ein großes Interesse im In-und Ausland.  Ulrich Behmann gab in der Lesung sehr interessante Einblicke in die Entwicklung und Eskalation der familiären Konflikte, die dem furchtbaren Verbrechen vorausgingen, die schreckliche Tat, das Strafverfahren und die Perspektive der Beteiligten, Opfer wie Täter.  Sichtbar wurde u.a. ein Teufelskreis aus (wahrgenommenen, vermeintlichen, …) Unrecht, Kränkungen, Ohnmachtserfahrungen und Gewalt, die immer wieder neue Gewalt und Unrecht gebiert. Ulrich Behmann gab auch Einblicke in die Lebenswelt und Parallelwelt der betroffenen Opfer, Täter und ihre Familien, wobei deutlich wurde, dass Gewalttaten nach massiven Ohnmachtserfahrungen gerade nicht kulturspezifisch sind.  In der anschließenden Aussprache wurde u.a. die mangelnden oder gescheiterten Unterstützungsangebot, die Selbsthilfe- und Selbstjustizversuche bei eskalierten Konflikten und die zum Teil kulturspezifischen Regelungsversuche diskutiert: Welche Unterstützung gibt es für Geschädigte, die betroffenen Kinder und weiteren Angehörigen, insb. auch nach massiven Straftaten? Eine solche Tat hinterlässt nicht nur das unmittelbare Opfer und den Täter. Es bleiben viele von der Tat Mit-Betroffene zurück: die jeweiligen Familien, Kinder und Freunde. Welche auch präventiv wirksamen Möglichkeiten der Beratung und Vermittlung gibt es, welche Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit der Tat und ihren Folgen gerade auch bei schweren Gewaltdelikten gibt es? Bestehen Chancen zur Wiedergutmachung oder doch zumindest zur Verhinderung weitere Gewalt- und Rachetaten?

Die Waage arbeitet seit mehr als 25 Jahren im Bereich des Vermittlung insb. in eskalierten und auch strafrechtlich relevanten Konflikten, um z.B. einvernehmliche Regelungen zwischen sich → trennenden Eltern oder einen → sog. Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) möglich zu machen. Seit 2016 werden im Rahmen des sogenannten → „Restorative Justice-Projekts“ Beratungs- und Vermittlungsangebote über die unmittelbar betroffenen Opfer und Beschuldigten hinaus unter Einbeziehung des sozialen Umfelds (Angehörige, Freunde, Arbeitskolleg*innen, Mitarbeiter*innen von betroffenen Einrichtungen/Organisationen, Nachbarn, …) angeboten.

Insgesamt war es – trotz des schweren Themas – ein gelungener Abend mit spannenden Diskussionen und vertieften Gesprächen bei einem kleinen Fingerfood-Buffet und Getränken. Es wurde deutlich, dass Kommunikation auch bei solch schweren Gewaltdelikten gelingen kann und auch Opfer eine Stimme haben.

Erfolgreicher Abschluss des Aufbaukurses 2017/18

Am 27./29. April 2018 fand das letzte Seminar und Kolloquium des Aufbaukurses 2017/18 statt. Die Absolvent*innen des Aufbaukurses präsentierten zum Abschluss der 1,5 jährigen Ausbildung (insg. 200 Std.) ihre Lernerfahrungen und Projekte rund um das Thema Mediation und Konfliktmanagement. Die Themen waren vielfältig und hoch interessant, z.B. Konfliktmanagement-systeme im Unternehmenskontext, Konfliktmanagement in komplexen Projekten, Mediation im Kontext der Unternehmensnachfolge, Mediationselemente innerhalb von Mobbinginterventionen,  Konstruktivismus und Mediation, Mediation in Schulen, Voraussetzungen für einen effektiven Verlauf einer interkulturellen Mediation, Mediation im ASD?, Entwicklung von Umsetzungsschritten für die eigene Mediationspraxis u.v.m. Als Gast nahm die us-amerikanische Mediatorin Narineh Karapetyan (Harvard Negotiation & Mediation Project) teil und gab einen ersten Einblick in ihre Ausbildungs- und Forschungsarbeit. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Kolloquiums feierten die Absolventinnen noch in einem informellen  Rahmen bei einem Glas im Cafe Mezzo.

 

Abschluss des Projekts „Integration und Konfliktvermittlung“ – Präsident der Klosterkammer besucht die Waage Hannover e.V.

Klosterkammer-Präsident Hans-Christian Biallas war am Dienstag, 06.02.2018 zu Gast in der Waage Hannover, um im Rahmen einer Feierstunde den Abschlussbericht für das Projekt Interkulturelle Kompetenz in der Mediation entgegenzunehmen.

Als wesentliches Ziel dieses Projektes sollen Konfliktparteien die Möglichkeit erhalten, Konflikte in ihrer Muttersprache und mit Verständnis des kulturellen Hintergrundes außerhalb des Gerichts beizulegen. Dafür wurden innerhalb der letzten 5 Jahre zehn Personen mit Migrationshintergrund durch die Waage Hannover fachgerecht zu Mediatoren ausgebildet, die Kosten von insgesamt 45.000 Euro übernahm die Klosterkammer Hannover. Acht der Stipendiaten waren bei der Feierstunde anwesend und schilderten ihre persönlichen Erfahrungen: Übereinstimmend erklärten sie, dass der Schlüssel für die Beilegung von Konflikten, auch zwischen verschiedenen Kulturen, ist, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Große Anerkennung hat das Projekt durch die Verleihung des Niedersachsenpreises „Unbezahlbar und freiwillig“ 2015 erfahren und alle Beteiligte motiviert, sich weiter für dieses gesellschaftlich relevante Thema, nämlich „Konfliktklärung auf Augenhöhe“ zu engagieren.
„Es geht nicht nur darum, wie wir als Gesellschaft mit Menschen unterschiedlichster Kulturen miteinander leben wollen, sondern vielmehr, wie wir in Konflikten miteinander umgehen können und wollen“, sagte der erste Vorsitzende der Waage Professor Dr. Thomas Trenczek. „Unser Projekt gibt genau für diese Frage eine passende Antwort. Großer Dank gebührt der Klosterkammer Hannover, die das Projekt durch die Finanzierung ermöglicht hat.“

„Die durch Flüchtlingsbewegungen beeinflussten gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen Jahre bestätigen die Relevanz des Waage-Projektes. Interkulturelle Kompetenz ist wichtig in der heutigen Gesellschaft, die mehr denn je auf das bürgerschaftliche Engagement ihrer Mitglieder angewiesen ist. Unsere Unterstützung gilt der langjährigen Verpflichtung der Stipendiaten zum ehrenamtlichen Engagement innerhalb der Waage“, sagte Hans-Christian Biallas, Präsident der Klosterkammer Hannover.

 

Bericht in der NP Nr. 51 vom 01.03.2018 – S. 18: Streit schlichten aber nicht nur auf Deutsch-Waage Hannover-NP 2018-03-01-S18