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Schuld sind immer die Anderen – Filmabend im Kino im Künstlerhaus 27.2.2019

Schuld sind immer die Anderen (Lars-Gunnar Lotz, D 2013, 93‘ • mit Edin Hasanovic, Julia Brendler)
Ein Filmabend im Künstlerhaus am 27.2.2019/19:30 Uhr mit Einführung und Filmgespräch mit Frauke Petzold und Doro Wahner

Im „Waldhaus“, einer idyllisch gelegenen Einrichtung des offenen Vollzugs, bekommt Ben gemeinsam mit einer Handvoll anderer jugendlicher Straftäter die einmalige Chance auf Resozialisierung jenseits karger Gefängnismauern. Raubüberfall, Diebstahl, Körperverletzung – diese Vergangenheit beginnt Ben mit jedem weiteren Tag in der familiären Gemeinschaft des Waldhauses zu hinterfragen, gar aufzuarbeiten. Er fasst Vertrauen zu den anderen Jungs, entwickelt Sympathien für die Betreuer, die von nun an seinen Alltag begleiten. Doch dann geschieht etwas völlig Unerwartetes. Mit der Ankunft seiner Heimleiterin Eva holt ihn sein altes Leben schlagartig wieder ein. Was Eva anfänglich nicht ahnt, weiß Ben bereits beim ersten Blickkontakt: Sie ist eines seiner Opfer. Eine ausweglose Situation. Für beide. Es ist dieser Ausnahmesituation, den Lars-Gunnar Lotz Debütfilm behandelt. Er beleuchtet dabei die intensiven Empfindungen von Opfern und Tätern gleichermaßen und realitätsgetreu. Edin Hasamovic als junger Mann, der in seinem jungen Leben schon so viele Fehler begangen hat, gelingt es, im Zuschauer Empathie und Mitgefühl zu wecken, und Julia Brendler als Eva verkörpert eine starke Frau, die so viel mehr ist als das Opfer einer grausamen Straftat. Ein authentischer und klug durchdachter Film und ein absoluter Glücksfall im deutschen Nachwuchsfilm. (FBW)

 

Nach der Begrüßung durch Herrn Knobloch-Ziegan, dem Leiter des Kinos und einer Einführung durch die Waage-Mitarbeiterinnen Frauke Petzold und Doro Wahner verfolgte das Publikum im gut gefüllten Kinosaal hochkonzentriert und voller Anspannung den Film „Schuld sind immer die Anderen“. Auf eindringliche Weise wird hier gezeigt, was es bedeutet, Beteiligter an einer Straftat zu sein. Wie verändert sich das Leben für das Opfer, für den Täter und für das Umfeld? Im Anschluss an den Film diskutierten die beiden Mediatorinnen mit einem sehr interessierten Publikum: Was braucht es, um so ein Geschehen verarbeiten zu können? Welche Möglichkeiten bietet hier die Vermittlung und ein Täter-Opfer-Ausgleich? Wie „funktioniert“ das eigentlich und welche Erfahrungen macht die Waage damit? Mit vielen Eindrücken und Informationen zu einem durchaus schwierigen Thema gingen die Besucher nach gut zwei Stunden nachhause.

Die Waage Hannover hat sich über das große Interesse gefreut und plant weitere Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino.  Die Waage Hannover ist das gemeinnützige, nicht kommerzielle Zentrum für Mediation und Konfliktschlichtung in Stadt und Region Hannover und und führt u.a. im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hannover die Vermittlung für einen „Täter-Opfer-Ausgleich“ durch.

Mediationsausbildung 2017/18 erfolgreich beendet

Im Rahmen der in Kooperation mit der Hochschule Hannover (ZSW) und dem Steinberg Institut (SIMK) durchgeführten berufsbegleitenden Mediationsausbildung können die Teilnehmer*innen bei Anfertigung einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit zusätzlich zur normalen Ausbildungsbescheinigung auch ein Hochschulzertifikat der Hochschule Hannover erwerben. Am Freitag, 14.12.2018, erhielten 6 Absolventinnen des Lehrgangs 2017/18 ihr Hochschulzertifikat. Die Ausbildung fand an insgesamt 15 Wochenenden (Freitagen und Samstagen) sowie in Hospitationen, Intervisionen und Supervisionen statt (insgesamt 220 Stunden). Die Themenvielfalt und Qualität der Abschlussarbeiten war wieder beeindruckend, z.B.

  • Mediation als Teil der hauptberuflichen kommunalen Gleichstellungsarbeit in Niedersachsen
  • Konfliktmanagementsystem – Anwendungsfall Deutsche Messe AG
  • Mediation in Schulen
  • Mediation im Kontext der Unternehmensnachfolge
  • Mediationsverfahren im Rahmen der ASD-Tätigkeit im Jugendamt (anwendbar?)
  • Konstruktivismus und Mediation

Der erfolgreiche Abschluss der Ausbildung wurde mit Übergabe der Hochschul-Zertifikate bescheinigt. Das Foto zeigt (vordere Reihe von links:) Anne Britten, Gudrun Hahn, Wiebke Ernst-Ringena sowie (hintere Reihe von links:) Wolfgang König, Steve Michalczyk, Oilid Kherfani und Ausbildungsleiter Prof. Dr. iur. Thomas Trenczek.

Visualisierung in der Mediation – Interne Fortbildung / Waage Klausurtag 2018

Mit dem Thema „Visualisierung in der Mediation“ beschäftigen sich am 13.11. 2018 insgesamt 20 Mitarbeiter*innen der Waage Hannover im Rahmen des jährlichen Klausurtages. Dank der finanziellen Unterstützung von „Freiwillig in Hannover“, dem Förderfonds der Stadt Hannover für Ehrenamtliches Engagement, konnte in diesem Jahr eine externe Referentin gewonnen werden. Rechtsanwältin Nicole Busse gab einen Einblick, welches Handwerkszeug zu einer professionell gestalteten Flipchart gehört. Dabei ging es nicht nur um Schrift, Form, Symbole und Farbe, sondern auch um die kritische Auseinandersetzung, an welcher Stelle und in welcher Form Visualisierung in der Mediation zum Einsatz kommen kann. An erster Stelle stand jedoch das praktische Üben durch die Teilnehmer*innen. Hierbei konnte festgestellt werden, dass man kein besonderes Zeichentalent haben muss: Mit etwas Mut und Übung kann man auch zu guten Ergebnissen kommen. Es war ein sehr lehrreicher und kurzweiliger Klausurtag, der mit einem geselligen Beisammensein seinen Ausklang fand.

Waage auf dem TOA-Forum 2018

Eine Gruppe von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der Waage hat am TOA-Forum 2018 in Berlin teilgenommen. Die bundesweite Konferenz unter dem Motto „Die Stärke der Beteiligten – Selbstbestimmung statt Bedürftigkeit“ bot einen interessanten „Blick über den eigenen Tellerrand“ mit verschiedenen Vorträgen und Workshops und gab vielerlei Anregungen für die eigene Praxis. Schwerpunkte waren beispielsweise die persönliche Qualifikation von Mediator*innen, die Vermittlung bei schweren Straftaten und die Arbeit mit traumatisierten Geschädigten.

Council of Europe: Neue Empfehlungen zu Restorative Justice 2018

Am 3. Oktober 2018 wurde die neue Empfehlung des Europarates zu „Restorative Justice in Criminal Matters“ angenommen. Damit wurde nach den ersten, bereits im Jahr 1999 vom Council of Europe erlassenen Empfehlungen Recommendation No R (99) 19 „Mediation in Penal matters“ (Sept.1999) nun aktuelle Empfehlungen beschlossen, die die weltweiten Forschungsergebnisse und Praxisfelder zum Restorative Justice Ansatz berücksichtigen (hierzu vgl. Trenczek/Hartmann: Kriminalprävention durch Restorative Justice – Evidenz aus der empirischen Forschung; in Walsh et al. [Bundesministerium des Innern/Nationales Zentrum für Kriminalprävention] (Hrsg.) : Handbuch „Evidenzbasierte Praxis in der Deutschen Kriminalprävention – ein Leitfaden für Politik und Praxis“; Berlin 2018, 859 ff.). Leider ist der Text der neuen Empfehlungen sowie eines sich darauf beziehenden Comments über die offizielle Internetseite des Council of Europe bislang nur über ein zugangsbeschränktes Login und zudem nicht in deutscher Sprache, sondern nur im englischen Original erhältlich. Wir verweisen deshalb im Hinblick auf den Text der Dokumente auf die Informationsseiten des → SIMK.

 

 

 

Alumni-Treffen in der Waage 2018

Am 25. 09. 2018 fand das zweite Treffen ehemaliger Lehrgangsteilnehmer*innen der Mediationskurse in den Büros der Waage Hannover statt. Die Waage führt seit nunmehr 12 Jahren Mediationsausbildungen (Grund- und Aufbaukurse in Kooperation mit dem SIMK nach den fachlichen Stnadards des BM und BMWA) durch. Über 150 Personen haben bislang daran erfolgreich teilgenommen. Ca. 30 von ihnen kamen nun, teilweise mit weiter Anreise, zu einem Wiedersehen und Erfahrungsaustausch zusammen. Neben den Fragen, wie die Einzelnen die Lehrgänge im Nachhinein sehen und was für sie beruflich oder privat nutzbar wurde, diskutierten wir insbesondere die Differenzen zwischen Ausbildung und Praxis: Was ist uns besonders wichtig? Was hat sich verändert? Welche Aspekte gewannen erst im Laufe der Zeit an Bedeutung? Es wurde deutlich, dass die Antworten auf diese Fragen individuell recht unterschiedlich ausfallen. Einige betonten beispielsweise die Bedeutung eines sehr strukturierten Vorgehens, andere erklärten, dass ihnen dies bei ihrer praktischen Tätigkeit nicht mehr ganz so wichtig erscheint.

Der Abend endete mit einem geselligen Beisammensein. Eine gelungene Veranstaltung. Es ist geplant, derartige Treffen jährlich zu wiederholen.

Vielen Dank noch einmal für die nette Einladung zum Ehemaligen-Treffen in der Waage – es war wirklich sehr schön und für mich auch nach 3 Jahren noch einmal eine super Bestätigung, dass es genau richtig war, diesen Kurs bei Euch zu machen. Gerade betreue ich parallel gleich zwei Konfliktfälle hier bei mir an der Uni, und ich spüre immer wieder, wie sehr dieses Jahr meine Fähigkeit zu einem souveränen Umgang und zu effektiver Hilfestellung in solchen Situationen geschult hat.  Also, danke nochmal für Alles!!
                                  (Dr. Barbara Witter, Otto von Guericke University, Graduate Academy, Magdeburg)

Die Waage auf dem Konfliktmanagement-Kongress 2018

(von links) Waage-Geschaftsführer Brossier im Gespräch mit TeilnehmerInnen des KMK; (mittig) der 1. Vorsitzende der Waage, Prof. Trenczek, im Gespräch mit Frau Justizministerin Havliza; Foto: Dietmar Wadewitz)

Der diesjährige Konfliktmanagement-Kongress (KMK) am 14./15.09.2018 in Hannover stand unter dem Motto „Vielfalt und Entwicklung“ und bot den Teilnehmenden eine abwechslungsreiche Mischung aus Theorie und Praxis der Mediation. Bereits am Vorabendempfang im Gartensaal des Neuen Rathauses konnten die knapp 300 Teilnehmer*innen , von denen eine große Zahl zum wiederholten Mal an dem KMK teilnahmen, miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen und die neuen Entwicklungen in der deutschen Mediationslandschaft diskutieren. Begrüßt wurden sie von Frau Justizministerin Barbara Havliza. „Justiz tut gut daran, die Möglichkeiten der Mediation zu nutzen“ betonte die Ministerin, die u.a. auch auf die Initiativen und die Vorreiterrolle des Landes Niedersachsen in Sachen Mediation sowie das mittlerweile 15jährige Jubiläum des KMK hervorhob.

Angeregt wurden die TeilnehmerInnen, darunter Juristen, Psychologen, Soziologen und Mediatoren vieler weiterer Herkunftsberufe, am Freitag Abend auch durch einen kurzweiligen Vortrag von Dr. Dietmar Zinner, leitender Wissenschaftler in der Abteilung Kognitive Ethologie am Deutsches Primatenzentrum in Göttingen: „Konflikte bei unseren Vettern – Was wir vom Affenstreit lernen können“. Am Samstag Vormittag wurde zunächst in drei Impulsvorträgen aus juristischer, sozial- und kommunkationswissenschaftlicher Perspektive erörtert, inwiefern die Mediation bereits ein wesentlicher, unverzichtbarer Teil des deutschen Konfliktmangements bzw. der Justiz und der Privatrechtsordnung geworden ist und welche Erkenntnisse die interdisiplinäre Mediationsforschung mittlerweile bietet. Vertieft wurden diese Diskussionen dann in 7 Foren und auf der Informationsmesse, auf der sich Anbieter und Mediationsverbände präsentierten.

(von links): Rajiny Kumaraiah, Petra Kniesburges; Mediatorinnen der Waage Hannover; Foto: Waage Hannover)

Die Waage Hannover war wie schon seit dem ersten KMK mit einem Informationsstand vertreten, der durch unsere ehrenamtlichen Mediatorinnen Petra Kniesburges und Rajiny Kumaraiah hervorragend betreut war. Gerade im Hinblick auf das Thema „Vielfalt und Entwicklung“ hat die Waage in ihren verschiedenen Arbeitsbereichen sowie im Rahmen des Projekts „Interkulturelle Kompetenz in der Mediation“ viel anzubieten. Es gab Gelegenheit, Informationen auszutauschen, Fragen zu stellen und mit zahlreichen Kongressteilnehmer*innen ins Gespräch zu kommen. Besonders erfreulich war, dass in diesem Jahr insgesamt sieben Mitglieder des Waage Teams am Kongress teilgenommen haben. So können die gewonnen Eindrücke und Erkenntnisse aus den Foren, Workshops und Diskussionen gemeinsam besprochen werden und innerhalb der Waage ihren Nachklang finden.